4.3.2018: Schachnovelle verlässt Zürich und steuert Ziel London an.

Sonntag, 4. März 2018: Cathérine Hug, Kuratorin des Kunsthauses Zürich, lässt unsere Schachnovelle weiterreisen.

Nächstes Zwischenziel ist London jenseits des Ärmelkanals, dem ersten Exilort Stefan Zweigs. Am 20. Februar 1934, zwei Tage nach einer polizeilichen Durchsuchung in seinem Heim in Salzburg und da die Situation für Zweig immer bedrohlicher wurde, emigrierte er mit dem Zug nach London. In der Emigration, fern der Heimat Salzburg und fern von seiner Frau Friderike, die in Salzburg geblieben war, begann er eine Liaison mit seiner Sekretärin, Charlotte Altmann. Im November 1938 liess sich Zweig scheiden und heiratete 1939 Charlotte Altmann, die an seiner Seite bleiben sollte bis zum gemeinsamen Suizid in Petrópolis.
Kurz nach Kriegsbeginn nahm Stefan Zweig die britische Staatsangehörigkeit an.

Als Adressaten in London für unser Schachnovellenpaket hatte Cathérine Hug den international bekannten Künstler Uriel Orlow gewählt. Motiv für diese Wahl und die Verbindung von Uriel Orlow zu Stefan Zweig, zum „KnotenZürich und zu Cathérine Hug erschließt sich rasch, wenn man die Auflistungen seiner Ausstellungen auf seiner Webseite durchsieht:

2018_03_08_Europe_UrielOrlow_Z - 1
(Screenshot von Uriel Orlows website)
Vom 11. Juni 2016 bis 6. September 2016 hatte Cathérine Hug im Kunsthaus Zürich die Ausstellung „Europa. Die Zukunft der Geschichte“ kuratiert.
Ein sehenswerter Beitrag stammte von Uriel Orlow: die Installation Oddly, one lived the war in one’s mind more intensively than at home in a country at war –  Und sonderbar: man lebte geistig den Krieg hier eigentlich intensiver mit als in der kriegführenden Heimat...*).
*aus Stefan Zweig: Die Welt von Gestern (im Herzen Europas).

Details zur Ausstellung und künstlerische Hintergründe hat Cathérine Hug im Rahmen ihres Vortrages bei der Tagung der ISZG in Genf dargelegt:

… In Uriel Orlows Installation Oddly, one lived the war in one’s mind more intensively than at home in a country at war hebt Orlow das Café Odeon in Zürich auf die Bühne der Weltgeschichte, mit der dieses – insbesondere während der beiden Weltkriege – eng verbunden war. In Zeiten, in denen die Schweiz aufgrund ihrer Neutralität
inmitten des vom Krieg zerrütteten Europa sicheres Terrain war und somit für viele Menschen zum Zufluchts- und Transitort wurde, wuchs die Bedeutung Zürichs und mit ihr die des Café Odeon als internationaler Ort der Begegnung und des Austauschs, aber auch der Informationsbeschaffung für Intellektuelle und Politiker. So schrieb James Joyce hier zwischen 1915 und 1920, zurückgezogen an einem Kaffeetisch, einen Teil von Ulysses, einen der wichtigsten Romane des 20. Jahrhunderts (Stichwort „Stream of Consciousness“). Lenin und Trotzki – der, von seinem Erzfeind Stalin durch Fotoretusche in Büchern und schliesslich durch Mord aus der russischen Geschichte verbannt, in den 1960er-Jahren zum Vorbild sozialer Bewegungen wurde – diskutierten 1916 dort über den Kommunismus und bereiteten die Russische Revolution vor. In Erinnerung an die vielen eindrücklichen Stunden im Odeon in der Zeit von 1917 bis 1919 notierte Stefan Zweig in seinen zwischen 1939 und 1941 verfassten und posthum erschienenen Memoiren Die Welt von Gestern die Worte, aus denen Orlow den Titel für seine Installation wählte…

So treffen die „Fäden“ im „Knoten“ Zürich zusammen, und es ist plötzlich klar, dass der Künstler Uriel Orlow eine sehr gute Wahl für die Reisestation London ist.

(Leonardo)

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s